Brückenschlag
Erschienen im Kiez.Magazin Karlshorst, Seite 22
Schon zu DDR-Zeiten tat sich mit den Brücken am Bahnhof Karlshorst ein Dilemma auf: Sie rosteten vor sich hin. Sie waren ein viel durchquertes Nadelöhr für Straßenbahn, Pkw, Lkw und Fußgänger. Sie waren ganz schön in die Jahre gekommen: erbaut 1902, in den Gründerzeit Karlshorsts, das als »Dahlem des Ostens« Bekanntheit erlangte. Damals mag für die paar Trams und Droschken eine Durchfahrt von 15 Metern ausreichend gewesen sein. Aber nach der Wende von 1989/90 entstand hier eine Verkehrsflut mit sage und schreibe 40.000 Fahrzeugen – täglich! Für die Nutzer der Nord-Süd-Verbindung war das Nadelöhr längst zu einem permanenten Ärgernis geworden. Durch die schmale angejahrte Schneise wälzt sich seither eine Blechlawine. Lange war ein Abriss und Neubau der Bahnbrücken im Gespräch, Jahr um Jahr wurde er verschoben. Nun kommt die neue Bahnquerung über die Treskowallee. »Wir werden die Durchfahrt auf 31 Meter aufweiten, so dass es dort künftig zwei Fahrstreifen und eine separate Spur für die Straßenbahn gibt«, erläuterte zu Jahresbeginn ein Bahnsprecher bei einer Versammlung des Bürgervereins Karlshorst. Die Gleise würden verschwenkt, weil die Straßenbahn künftig unter den Brücken halten werde und damit die Umsteigewege verkürzt würden. Um Fahrgästen und Anliegern das Überqueren der stark befahrenen Treskowallee zu ersparen, erhält der Bahnhof Karlshorst einen weiteren Zugang. Durch den sich über zwei Jahre erstreckenden Abriss der alten und Bau der neuen Bahnbrücken über die Treskowallee wird es zeitweilig zu Sperrungen derselben kommen, auch mit Unterbrechungen des Zugverkehrs (Regionalbahn, S-Bahn) ist zu rechnen. Dann werden Pkw-Fahrer auf die Schlichtallee ausweichen müssen. Der Lkw-Verkehr soll weiträumig auf die Warschauer Straße ausweichen. Insgesamt sind für den Zeitraum des Brückenneubaus zehn Vollsperrungen der Treskowallee vorgesehen.
»Wir sind uns bewusst, dass es durch die Baumaßnahmen zu besonderen Belastungen für die Anwohnerinnen und Anwohner kommen wird, ihnen viel Geduld und Nervenstärke abverlangt wird. Auch zeitweilige Verkehrseinschränkungen sind unvermeidlich. Wenn jedoch in einigen Jahren das Vorhaben abgeschlossen sein wird, dann führt die Schaffung neuer Zugänge zum Bahnhof und bequemer Umsteigemöglichkeiten zu noch mehr Attraktivität für das Ortsteilzentrum von Karlshorst und zu einer Entspannung des Verkehrsflusses auf der Treskowallee«, ist sich Wilfried Nünthel (CDU), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, sicher. Ob die breitere Brückendurchfahrt dann wirklich einen entspannteren Verkehr durch Karlshorst bringen wird, darf bezweifelt werden. Schließlich liegt mit der Tangentialverbindung Ost ein Zukunftprojekt vor, das den massiven Durchgangsverkehr durch Karlshorst letztlich verlagern soll. Aber auch dabei steht noch dahin, ob sich damit Hoffnungen auf weniger Verkehrsflut an Karlshorsts zentraler Achse erfüllen werden. Eines aber ist jetzt schon sicher: Unser Kiez bekommt einen langen Stress-Test!
von Klaus-Dieter Stefan














